Carado ist ein deutscher Wohnmobil-Hersteller, der 2006 als Marke der Hymer-Gruppe (heute Thor Industries) gegründet wurde. Das technische Konzept: Qualitätsbauteile der Premiummarke Hymer in einem kostenoptimierten Fertigungsprozess einsetzen, um Reisemobile im mittleren Preissegment zu produzieren. Das Ergebnis überzeugt – Carado ist 2025 eine der meistverkauften Wohnmobil-Marken Europas.
Unternehmensstruktur und Fertigung
Carado wird in Kisslegg im Allgäu produziert – am selben Standort wie Teile der Hymer-Produktion. Die Fertigungstiefe ist hoch: Karosserien, Innenausbau und Montage erfolgen im eigenen Werk. Synergien mit Hymer ermöglichen Einkaufsvorteile bei Bauteilen (Chassis, Heizung, Sanitäranlagen), die an Kunden weitergegeben werden.
Die Basischassis stammen ausschließlich von Fiat (Ducato) – dem Marktstandard in der europäischen Wohnmobilindustrie. Fiat Ducato wird von fast allen europäischen Wohnmobilherstellern genutzt, da das Chassis für die Aufbaulasten der Wohnmobilbranche optimiert ist.
Modellklassen im technischen Vergleich
T-Klasse (teilintegriert): Die meistverkaufte Carado-Klasse. Das Fahrerhaus ist baulich vom Wohnraum getrennt – es gibt eine Trennwand. Vorteile: bessere Wärmedämmung zwischen Fahrerhaus und Wohnraum, günstigerer Preis, größere Windschutzscheibe für bessere Sicht. Längen: 5,99 m bis 7,35 m. Fiat Ducato 2,3 L Multijet (130–180 PS).
A-Klasse (Alkoven): Charakteristisch ist der Schlafbereich über der Fahrerkabine (Alkoven). Technisch anspruchsvoller als die T-Klasse: Das Gewicht des Alkovens erfordert eine verstärkte Fahrgestellkonstruktion. Bietet mehr Schlafplätze (bis zu 6). Länge: 6,9–7,5 m. Primär für Familien.
I-Klasse (vollintegriert): Fahrerhaus nahtlos in den Wohnraum integriert – keine Trennwand. Ergebnis: ca. 30–40 cm mehr Wohnraumbreite im Frontbereich, bessere Geräuschdämmung durch durchgehende Isolierung, hochwertiges Innenraumgefühl. Technisch aufwendigste Variante. Preis entsprechend höher.
CV-Serie (Van-Camper): Aufgebaut auf Mercedes Sprinter oder VW Crafter. Kompakter, manövrierbarer und alltagstauglicher als Alkoven- oder Vollintegrierte. Technisch interessant: Die Fahrzeugelektrik wird um eine 12-V-Bordbatterie und einen Landstromanschluss erweitert, ohne in die Fahrzeugelektronik einzugreifen.
Wohnmobil-Technik: Heizung, Strom, Wasser
Heizsystem: Carado verbaut standardmäßig Truma Combi – ein kombiniertes Heizungs- und Warmwassersystem. Truma Combi heizt wahlweise mit Gas (Propan/Butan) oder 230-V-Strom. Heizleistung: 6.000 kcal/h (ausreichend für −15 °C Außentemperatur). Das System ist in der Branche Standard und wird ausgezeichnet serviciert.
Stromversorgung: Serienmäßig eine 95-Ah-AGM-Bordbatterie, 230-V-Landstromanschluss. Optional: 200-W-Solarpanel und zweite Batterie für Autarkie. Die Solaranlage lädt die Batterie über einen MPPT-Laderegler – effizienter als ältere PWM-Technologie. Aktuelle Entwicklungen in der Energietechnologie machen Solarlösungen wie diese immer leistungsfähiger, wie im Artikel über Solarenergie erläutert wird.
Wasserversorgung: Frischwassertank 100–130 L (je nach Modell), Abwassertank 100 L. Druckwasserpumpe mit Durchflusssensor. Optional: Warmwasserboiler (getrennt vom Truma Combi) für größere Warmwasserkapazität.
Qualität und Langzeitbewährung
In Langzeittests von Fachmagazinen (promobil, Caravaning) schneidet Carado konstant überdurchschnittlich ab. Häufig gelobte Punkte: solide Verarbeitung der Möbel, zuverlässige Technikkomponenten, gute Erstausstattung. Kritikpunkte: gelegentlich dünne Wandstärken bei Einstiegsmodellen, Aufpreisliste für wünschenswerte Extras.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie unterscheidet sich Carado technisch von Hymer?
Carado und Hymer teilen viele Bauteile (Chassis, Heizung, Sanitär). Der Unterschied liegt im Ausbaustandard: Hymer hat höherwertigere Oberflächen, dickere Isolierung und mehr Serienausstattung. Carado ist ca. 20–35 % günstiger bei vergleichbarer Grundfunktionalität.
Welche Motoren sind in Carado-Wohnmobilen verfügbar?
Fiat Ducato 2,3 L Multijet in 130 PS, 160 PS und 180 PS. Für schwerere Modelle (A-Klasse, große I-Klasse) empfiehlt sich die 180-PS-Variante. Alle Motoren erfüllen den Euro-6d-Standard (2025).
Was wiegt ein Carado-Wohnmobil?
Zulässiges Gesamtgewicht: 3.500 kg (führerscheintauglich mit Klasse B) bei den meisten Modellen. Leergewicht typischerweise 2.900–3.200 kg – lässt also 300–600 kg Zuladung. Für Familien mit Ausrüstung oft knapp.
Ist Carado für Vielfahrer geeignet?
Ja. Das Fiat-Ducato-Chassis ist für hohe Laufleistungen ausgelegt (300.000+ km mit Wartung). Die Wohnaufbauten sind bei guter Pflege (Dichtigkeitsprüfung jährlich) langlebig.
Fazit
Carado ist technisch solide und wirtschaftlich durchdacht. Die Nutzung der Hymer-Infrastruktur bei günstigerem Preisniveau ist das Alleinstellungsmerkmal. Für Einsteiger und preisbewusste Reisende bietet Carado eine ehrliche, funktionale Lösung ohne technische Kompromisse bei den Kernsystemen.

